Baby, Capsule Closet, Kolumne

Nachhaltige Babymode & das mit der Zara Cordhose


Da sitze ich und scrolle über meine gut gefüllte Wunschliste des Online Versandriesen mit dem orangenen Logo. Es ist zu weiten Teilen Kinderbekleidung. Für Leonard. Schlafanzüge von Hessnatur. Ein senfgelber Pulli von Sense Organics. Noch ein Schlafanzug. Diesmal von Fred’s World. Ich habe die Kategorie Kinder, dann Babys 0 bis 2 angeklickt und bin direkt auf nachhaltige Mode gegangen. Weil meine liebsten Labels für Leonard nun mal mittlerweile überwiegend nachhaltige Labels sind, meine liebsten Sachen für ihn, aus Biobaumwolle, -seide, -wolle gefertigt sind.

Schaue ich seinen kleinen Schrank durch, hängt schon ganz viel solches drin. Ich möchte es gar nicht ausrechnen, denn es ist ein kleines Vermögen, was dort zusammenkommt. Und doch: letzte Woche kam erst ein kleines h&m Paket mit Socken für Leonard an. Heute trug er, zumindest bis zur kleinen Essensschlacht aka Mittagessen, eine wunderschöne braune Cordlatzhose. Von Zara Baby.

Bevor Leonard auf der Welt war, habe ich zwar hier und da schon ein Teil von Alana gekauft, gestehe aber, dass ich mir nicht viel aus nachhaltiger und oder Biomode gemacht habe. Oder genauer, dass ich mir noch nicht so viele Gedanken gemacht habe. Das Design und der Preis gingen immer vor. Etwas, das sich in den Monaten seit Leonards Geburt langsam änderte. Heute möchte ich, dass das, was da an die Haut meines Kindes kommt, so unbedenklich wie nur möglich ist. Hat mir doch vor einiger Zeit ein teurer, neuer, dunkelblauer Schlafanzug trotz einer gründlichen Wäsche morgens ein ebenso blau eingefärbtes Baby verschafft. Samt Schrecken und kurz danach Wut.

Seit ich mich auf das Thema nachhaltige Babymode eingelassen habe, weiß ich auch: es ist nicht teurer. Im Einzelfall mal, ja. Aber wir kaufen schließlich auch im Einzelfall mal ein konventionelles, teures Kleidungsstück. Es hält sich also die Waage. Vielleicht ist es sogar günstiger. Denke ich daran, wie oft die Pumphosen von Fred’s World oder aber die Basic Bodys von Hessnatur in der Waschmaschine sind und wie toll sie noch immer aussehen, sitzen und sich anfühlen. Da kann nicht jedes mal eben so schnell gekaufte, süße Baumwollteilchen vom liebsten Textilschweden mithalten.

Und trotz meiner Begeisterung für Biolabels und Mode, ist mein Lieblingspullover für Leonard von Zara Baby. Im Ausgangspreis vielleicht 19€ teuer. Im Sale für 9€ ergattert. Direkt noch in einem Rosé mitgenommen, falls sich noch ein Minimädchen zu uns auf den Weg machen sollte.


Da fühle ich mich zugegeben manchmal wie eine Blenderin. Eine Betrügerin. Ein Fähnchen im Wind. Ein Mitläufer, der gerade nachhaltigee Mode kauft, weil es chic ist. Ich fühle mich so albern, dass ich mir sicher 10 Mal hin und her überlege: zeigst du nun die neuen Fundstücke für Leonard auf Instagram oder im Blog? Taggst du die Ökolabels? Oder ist es alles Fake?

Ich denke dann, dass jemand denkt, dass ich inkonsequent bin. Und dann kann man das auch gleich lassen. Aber ist dem so? Ist es nämlich nicht.

Das beste neue Teil, ist nicht neu. Das beste neu gekaufte Teil ist schon gebraucht. Alternativ auch ausgeliehen. Denn jedes Stück, dass nicht erst für uns produziert werden muss, ist ein kleines Geschenk an unseren Planeten. Das zweitbeste neue Teil ist wohl nachhaltig produziert, aus nachhaltig produziertem Material. Es ist bio. Es ist fair. Und von super Qualität, die uns lange dienen wird. Und das drittbeste Teil, ist vielleicht nicht bio oder nachhaltig, aber es ist von einer guten Qualität und zeitlos. Wir kaufen es konventionell, aber dafür besitzen wir es lange und ersetzen es nicht durch ein günstiges. Und ersetzen dieses dann wieder.  Mit lange meine ich kein Jahr, sondern deutlich länger.

Zurück zur geliebten Latzhose von Zara, in die Leonard heute voller Inbrunst seinen Couscous eingerieben hat. Und etwas Joghurt gleich hinterher. Ich habe aufgehört mich darüber zu ärgern oder zu denken, dass jemand denkt, dass ich denke…. das macht mir Kopfschmerzen. Ich habe aufgehört mich darüber zu ärgern, wenn ich etwas nicht zu 101% durchziehe. Sondern sagen wir mal zu 75%. Ich kaufe den Großteil seiner Garderobe fair und nachhaltig ein, verleihe seine Sachen, leihe selbst, spende, was wir in zehnfacher Ausführung haben. Und wenn ich also mal bei Baby Gap oder Zara schwach werde, dann weil mir das Design so gefällt. Das tut es nämlich. Dann werde ich es.

Es gibt mehr als ganz und gar nicht. In der Mitte ist so viel mehr. Jedes nicht neu gekaufte Teil ist eine klasse Entscheidung, jedes verliehene Teil ist eine tolle Handlung, jedes fair statt konventionell gefertigte Stück ist super. Jedes. Es ist nicht weniger toll, nur weil man sich am Tag davor etwas stinknormales, günstig gekauft hat. Das wird es nur, wenn man unüberlegt, maßlos einkauft. Zu oft. Zu viel. Wegwerfmode.

Es gibt einen Grund, wieso der oben genannte Online Moderiese mit dem orangenen Logo nachhaltige Labels im Angebot hat, die man vor Jahren im Reformhaus oder nur beim Label selbst beziehen konnte. Und der Grund sind *hust* wir. Die Konsumenten. Würden faire Labels nicht immer mehr und mehr gekauft werden und hätte sich das Bewusstsein für unser Kaufverhalten nicht nach und nach verändert, die Marken wären noch immer schwer zu bekommen sein. Sind sie aber nicht mehr, denn sie sind gefragt. Und hübsch obendrein.

Weil jede Entscheidung für ein nachhaltiges Kleidungsstück eine tolle Entscheidung ist, die irgendwo in irgendeine ganz kluge Statistik einfließt und wiederum die weitere Produktion solcher nachhaltiger Kleidung bestärkt, ja deshalb freue ich mich über diese Entscheidungen und kaue mir nicht mehr nervös an den Nägeln rum, weil ich meinem Baby etwas bei Zara kaufe. Oder h&m bestelle. Oder immer wieder bei Baby Gap durchschaue.

Aber wer weiß? Vielleicht schreibe ich auch in zwei Jahren: so, ich kaufe nur noch nachhaltig ein. Vielleicht, weil ich mich entscheide von den 75% auf die 100% aufzustocken. Oder weil ich bis dahin noch so viel mehr tolle faire Labels auch mit moderaten Preisen kenne, dass ich mich auch da schon nicht vor der Menge süßer Sachen retten kann. Das kann ich noch nicht beurteilen. Was ich aber beurteilen kann, ist dass mein mir selbst eingeredetes schlechtes Gewissen, unnötig ist. Es gibt mehr als ganz oder gar nicht.

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1 Kommentare

  1. Tammy sagt

    Schöner Gedankengang und alltagstaugliche Ausführung dazu! Liebe Grüße

Kommentare sind geschlossen.