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Zweisprachigkeit | das erste Jahr

Eigentlich wissen wir es ja besser. Jedes Kind entwickelt sich ganz individuell. Und doch haben wir gedacht, Leonard wird noch laufen, bevor er anfängt zu sprechen. Ich selbst habe erst spät gesprochen – war aber auch mit 11 Monaten plötzlich in einer neuen Sprachumgebung, da meine Eltern ausgewandert sind und ich ab dem Zeitpunkt zweisprachig aufwuchs. Mein Mann hat auch erst später gesprochen, wusste doch sein drei Jahre älterer Bruder meist ohne, dass David einen Ton sagen musste, was der kleinere will. Im Zweifel wurde mit den Fingerchen gezeigt. Daher also unsere Annahme: der läuft so wie wir beiden erst los, bevor er plappert. Aber zu unserer Überraschung pausierte das Laufenlernen plötzlich und Leonard hat angefangen zu sprechen!

Brabbeln, ja das macht er schon eine ganze Weile. Und auch das ist natürlich Sprechen. An der Melodie, an den unterschiedlichen Lauten war schon zu erkennen: er erzählt uns was. Ganz klar. Das ist schon lange kein „bababababa“ mehr. Er übt Laute. Gibt Antworten. Macht die polnischen Zischlaute schon viel besser als sein Papa. Das aktuelle Lieblingswort ist wie bei so vielen Kindern „nie“ also „nein“. Besonders gerne in Verbindung mit einem Kopfschütteln. Dem vermutlich niedlichsten Kopfschütteln, das ich kenne.

Da sind wir also angekommen nach einem Jahr mit dieser Zweisprachigkeit. Nach einem Jahr, das mit leichter Unsicherheit begonnen hat, dicht gefolgt von ganz viel Selbstbewusstsein und Konsequenz. Und jetzt werden wir jeden Tag aufs neue belohnt.

Neben den vielen schönen Erfahrungen und eben den Beobachtungen, dass er es aufzugreifen beginnt, gibt es aber auch Dinge, die mich ärgern. Kleinigkeiten. Aber sie ärgern mich. So fällt neuerdings sehr oft der Kommentar: oh, das ist Polnisch. Ganz klar. Das klingt polnisch.  Von Personen, die weder den Klang von Babygebrabbel noch von Polnisch kennen.

Auch werde ich besonders oft gefragt: versteht er mich? Nunja. Es ist ein Jahr alt. Ich denke, er versteht etwas – aber was er versteht, weiß ich natürlich nicht genau. Die fragenden Personen meinen damit natürlich, ob mein Kind deutsch versteht. Ich verkneife mir meist den Kommentar „mein Kind sei zweisprachig.“ Zwei. Beide. ZWEI.

Aber genug von den Kleinigkeiten, die mich ärgern und auf zu den richtig schönen Details. Leonards ersten Worten. Und ja, Brrr ist ein Wort – das habe ich mir höchste selbst von einer befreundeten Logopädin erklären lassen. Hat es mindestens zwei Laute und wird wiederholt für das selbe, also Autos, eingesetzt, ja dann ist es auch als Wort zu zählen.

Koko – Huhn
Hauhau – Hund
Brrrrrr – Auto
Tak Tok – Tick Tack
Nie
Nein
Muh

Ja
Heiß
Da
Das
Tata – Papa
Mama
Czesc – Hallo
Jesc – essen (v)

So ist er, der Stand nach einem Jahr und einem Monat zweisprachiger Erziehung. Wir sind glücklich, uns dafür entschieden zu haben und hoffen unser Löwenkind wird ebenso glücklich sein ein bisschen mehr Welt zu haben, dank der zwei Sprachen, die er von Beginn an beherrscht.

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Süßkartoffel-Waffeln | Rezept

Nach unserem spontanen kleinen Fotoshootings beim Mama-Sohn-Waffeln-Backen, wurde ich mehrfach darum gebeten, doch das Rezept für die Waffeln zu posten. Also los.

Vorab. Süßkartoffel Waffeln sind nicht gleich Süßkartoffel Waffeln. In unserem Fall sind es Waffeln ohne Zucker, Ei oder Backpulver. Mal mit Weizenmehl mal mit Vollkornmehl. Sie haben sich als idealer BLW Snack oder mit Obst Frühstücksalternative an Tagen, an denen sonst alles doof ist, herausgestellt. Ich habe immer welche eingefroren im Tiefkühlfach.

Ihr braucht:

200g Mehl (405 oder Vollkornmehl eurer Wahl)
300ml Milch
1 EL Kokosöl
1/2 Süßkartoffel (bzw. 100ml Süßkartoffelbrei)
1 reife Banane
1 TL (Cylon) Zimt

 

Rezept:

Um die Waffeln backen zu können, benötigt ihr Süßkartoffelbrei. Da ich selbst immer den Fehler mache, Rezepte nie ganz zu lesen, sondern anzufangen und mich ärgere, wenn es dann heißt: „man nehme den vorbereiteten Brei….“, fange ich hier mit eben diesem Brei an. Habt ihr bereits welchen gekocht und müsst ihn nur auftauen: umso besser. Dazu müsst ihr die halbe Süßkartoffel schälen, grob würfeln und mit etwas Wasser in einem kleinen Topf zum köcheln bringen. Sie sollte so lange köcheln, bis sie mit einer Gabel leicht zerdrückt werden kann. Dann wird sie von der Kochstelle genommen, um etwas abzukühlen.

100ml von dem kühlen Süßkartoffelbrei, die reife Banane, 1 EL Kokosöl und die 300ml Milch nun pürieren, bis eine homogene Masse entsteht. Wer mag kann jetzt auch einen TL Zimt hinzufügen – ich benutze für Leonard Cylon Zimt aus dem Reformhaus, da dieser weniger belastet sein soll.

Als letztes wird nun nach und nach das Mehl hinzugegeben. Immer etwas Mehl – mixen, etwas Mehl – mixen. Ich selbst benutze dazu oft weiterhin den Pürierstab, da er bei der Menge an Zutaten einen ausreichenden Wirbel erzeugt, um alles zu vermischen. Man kann aber ebenso auf einen Handmixer oder Standmixer wechseln.

Wenn das gesamte Mehl verarbeitet ist, sollte  ein nicht zu fester aber auch nicht zu flüssiger, leicht orangestichiger Teig entstanden sein. Falls die Konsistenz für euer Waffeleisen (die Dinger sind ja manchmal eigen) nicht ideal ist, kann sie mit Milch oder Mehl noch optimiert werden.

 

Ich backe meine Waffeln in einem belgischen Waffeleisen. Es geht aber auch als klassische Herzchenwaffeln, wenn das Eisen ausreichend heiß wird. Ansonsten kann es bei dem Teig schneller als bei klassischem Teig passieren, dass man die innen noch weiche Waffel beim Öffnen des Eisens zerreißt. Mit ausreichender Hitze klappt es aber wunderbar.

Das Rezept ergibt etwa 10 belgische Waffeln und etwas mehr Herzchenwaffeln. Nach dem Abkühlen sind die Waffeln etwas gummiartiger als klassische Waffeln – die ideale Konsistenz für meinen kleinen Löwen, denn die krümmen kaum und er kann gut abbeißen. Sie schmecken neutral mit einer leichten Süße aus Banane, Süßkartoffel und dem Kokosöl. Leonard isst sie sehr gerne zwischendurch oder als Snack im Kinderwagen.

Viel Erfolg!

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Leonard wird 1

Genauer, Leonard wurde bereits 1. Anfang Mai. Vor drei Wochen stieg unsere kleine Sause für das nun einjährige Löwenkind. Mit den Großeltern und ein bisschen Familie. Mit einer wunderbaren Himbeer-Zitronen-Torte, bei der Mama die Zitrone vergessen hat. Mit einem Geburtstagskind, das pünktlich zur Ankunft der Gäste über eine Stunde geschlafen hat. Ja und einer komplett nach Innen verlegten und umgeplanten Grillparty – jedoch (und zum Glück) ohne den erwarteten Regen.

Da wir Leonards Taufe im Dezember bereits ähnlich gefeiert haben, auch Zuhause, auch im engen Familienkreis, waren wir fast schon routiniert. Fast. Ich gebe zu, dass ich die Arbeit, alles selbst zu kochen, backen, richten und zeitgleich dem kleinen Geburtstagslöwen einen normalen Tagesablauf zu geben, schnell unterschätze. Und dabei spielt das kleine Wort mit P – Perfektion – nicht einmal eine große Rolle. Und doch wurde es perfekt. Weil es das nur werden kann, wenn die Familie zusammenkommt und sich so viel aufrichte Freude über das erste Lebensjahr eines kleinen Menschen versammelt.

Das Motto, will man es so nennen, war der kleine Prinz. Denn das ist er. Unser kleiner Prinz. Und wer mich oder uns kennt, weiß auch, dass es bei unserem Nachnamen eigentlich gar nicht anders geht, als Leonard als kleinen Prinzen zu bezeichnen – oder aber König der Löwen. So habe ich für diesen ersten Geburtstag noch meinen Mamawillen durchgesetzt, ahne ich doch, dass ich in den nächsten Jahren immer weniger Mitspracherecht haben werde.

Eine kleine Lektion habe auch bei diesem Geburtstag wieder gelernt. Weniger ist mehr. So wohlbekannt dieser Spruch uns allen ist, so schnell ist er vergessen, wenn man bei Pinterest oder Google Little Prince Birthday Ideas eingibt. Zwischenzeitlich wollte ich für alle Gäste Kronen basteln, wollte eine mehrstöckige Torte backen, wollte passendes Pappgeschirr bestellen und statt drei besser gleich dreißig Heliumballons füllen. Aber ich habe mich besonnen, dass diese vielen Details eben auch vergänglich sind. Kostspielig, aufwändig und vergänglich. So habe ich stattdessen diesen wunderschönen Geburtstagsring von Grimms besorgt und mit Figuren bestückt – denn ich bin sicher, er wird uns allen noch viele Jahre und Geburtstage dienen. Nur bei den Pfingstrosen habe ich mich nicht zurückhalten können und es kurzerhand zur Tradition erklärt, dass unser Maikind zu jedem Geburtstag Pfingstrosen bekommt.

 

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Nachhaltige Babymode & das mit der Zara Cordhose


Da sitze ich und scrolle über meine gut gefüllte Wunschliste des Online Versandriesen mit dem orangenen Logo. Es ist zu weiten Teilen Kinderbekleidung. Für Leonard. Schlafanzüge von Hessnatur. Ein senfgelber Pulli von Sense Organics. Noch ein Schlafanzug. Diesmal von Fred’s World. Ich habe die Kategorie Kinder, dann Babys 0 bis 2 angeklickt und bin direkt auf nachhaltige Mode gegangen. Weil meine liebsten Labels für Leonard nun mal mittlerweile überwiegend nachhaltige Labels sind, meine liebsten Sachen für ihn, aus Biobaumwolle, -seide, -wolle gefertigt sind.

Schaue ich seinen kleinen Schrank durch, hängt schon ganz viel solches drin. Ich möchte es gar nicht ausrechnen, denn es ist ein kleines Vermögen, was dort zusammenkommt. Und doch: letzte Woche kam erst ein kleines h&m Paket mit Socken für Leonard an. Heute trug er, zumindest bis zur kleinen Essensschlacht aka Mittagessen, eine wunderschöne braune Cordlatzhose. Von Zara Baby.

Bevor Leonard auf der Welt war, habe ich zwar hier und da schon ein Teil von Alana gekauft, gestehe aber, dass ich mir nicht viel aus nachhaltiger und oder Biomode gemacht habe. Oder genauer, dass ich mir noch nicht so viele Gedanken gemacht habe. Das Design und der Preis gingen immer vor. Etwas, das sich in den Monaten seit Leonards Geburt langsam änderte. Heute möchte ich, dass das, was da an die Haut meines Kindes kommt, so unbedenklich wie nur möglich ist. Hat mir doch vor einiger Zeit ein teurer, neuer, dunkelblauer Schlafanzug trotz einer gründlichen Wäsche morgens ein ebenso blau eingefärbtes Baby verschafft. Samt Schrecken und kurz danach Wut.

Seit ich mich auf das Thema nachhaltige Babymode eingelassen habe, weiß ich auch: es ist nicht teurer. Im Einzelfall mal, ja. Aber wir kaufen schließlich auch im Einzelfall mal ein konventionelles, teures Kleidungsstück. Es hält sich also die Waage. Vielleicht ist es sogar günstiger. Denke ich daran, wie oft die Pumphosen von Fred’s World oder aber die Basic Bodys von Hessnatur in der Waschmaschine sind und wie toll sie noch immer aussehen, sitzen und sich anfühlen. Da kann nicht jedes mal eben so schnell gekaufte, süße Baumwollteilchen vom liebsten Textilschweden mithalten.

Und trotz meiner Begeisterung für Biolabels und Mode, ist mein Lieblingspullover für Leonard von Zara Baby. Im Ausgangspreis vielleicht 19€ teuer. Im Sale für 9€ ergattert. Direkt noch in einem Rosé mitgenommen, falls sich noch ein Minimädchen zu uns auf den Weg machen sollte.


Da fühle ich mich zugegeben manchmal wie eine Blenderin. Eine Betrügerin. Ein Fähnchen im Wind. Ein Mitläufer, der gerade nachhaltigee Mode kauft, weil es chic ist. Ich fühle mich so albern, dass ich mir sicher 10 Mal hin und her überlege: zeigst du nun die neuen Fundstücke für Leonard auf Instagram oder im Blog? Taggst du die Ökolabels? Oder ist es alles Fake?

Ich denke dann, dass jemand denkt, dass ich inkonsequent bin. Und dann kann man das auch gleich lassen. Aber ist dem so? Ist es nämlich nicht.

Das beste neue Teil, ist nicht neu. Das beste neu gekaufte Teil ist schon gebraucht. Alternativ auch ausgeliehen. Denn jedes Stück, dass nicht erst für uns produziert werden muss, ist ein kleines Geschenk an unseren Planeten. Das zweitbeste neue Teil ist wohl nachhaltig produziert, aus nachhaltig produziertem Material. Es ist bio. Es ist fair. Und von super Qualität, die uns lange dienen wird. Und das drittbeste Teil, ist vielleicht nicht bio oder nachhaltig, aber es ist von einer guten Qualität und zeitlos. Wir kaufen es konventionell, aber dafür besitzen wir es lange und ersetzen es nicht durch ein günstiges. Und ersetzen dieses dann wieder.  Mit lange meine ich kein Jahr, sondern deutlich länger.

Zurück zur geliebten Latzhose von Zara, in die Leonard heute voller Inbrunst seinen Couscous eingerieben hat. Und etwas Joghurt gleich hinterher. Ich habe aufgehört mich darüber zu ärgern oder zu denken, dass jemand denkt, dass ich denke…. das macht mir Kopfschmerzen. Ich habe aufgehört mich darüber zu ärgern, wenn ich etwas nicht zu 101% durchziehe. Sondern sagen wir mal zu 75%. Ich kaufe den Großteil seiner Garderobe fair und nachhaltig ein, verleihe seine Sachen, leihe selbst, spende, was wir in zehnfacher Ausführung haben. Und wenn ich also mal bei Baby Gap oder Zara schwach werde, dann weil mir das Design so gefällt. Das tut es nämlich. Dann werde ich es.

Es gibt mehr als ganz und gar nicht. In der Mitte ist so viel mehr. Jedes nicht neu gekaufte Teil ist eine klasse Entscheidung, jedes verliehene Teil ist eine tolle Handlung, jedes fair statt konventionell gefertigte Stück ist super. Jedes. Es ist nicht weniger toll, nur weil man sich am Tag davor etwas stinknormales, günstig gekauft hat. Das wird es nur, wenn man unüberlegt, maßlos einkauft. Zu oft. Zu viel. Wegwerfmode.

Es gibt einen Grund, wieso der oben genannte Online Moderiese mit dem orangenen Logo nachhaltige Labels im Angebot hat, die man vor Jahren im Reformhaus oder nur beim Label selbst beziehen konnte. Und der Grund sind *hust* wir. Die Konsumenten. Würden faire Labels nicht immer mehr und mehr gekauft werden und hätte sich das Bewusstsein für unser Kaufverhalten nicht nach und nach verändert, die Marken wären noch immer schwer zu bekommen sein. Sind sie aber nicht mehr, denn sie sind gefragt. Und hübsch obendrein.

Weil jede Entscheidung für ein nachhaltiges Kleidungsstück eine tolle Entscheidung ist, die irgendwo in irgendeine ganz kluge Statistik einfließt und wiederum die weitere Produktion solcher nachhaltiger Kleidung bestärkt, ja deshalb freue ich mich über diese Entscheidungen und kaue mir nicht mehr nervös an den Nägeln rum, weil ich meinem Baby etwas bei Zara kaufe. Oder h&m bestelle. Oder immer wieder bei Baby Gap durchschaue.

Aber wer weiß? Vielleicht schreibe ich auch in zwei Jahren: so, ich kaufe nur noch nachhaltig ein. Vielleicht, weil ich mich entscheide von den 75% auf die 100% aufzustocken. Oder weil ich bis dahin noch so viel mehr tolle faire Labels auch mit moderaten Preisen kenne, dass ich mich auch da schon nicht vor der Menge süßer Sachen retten kann. Das kann ich noch nicht beurteilen. Was ich aber beurteilen kann, ist dass mein mir selbst eingeredetes schlechtes Gewissen, unnötig ist. Es gibt mehr als ganz oder gar nicht.

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